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SUMMARY:Hans Scheugl Retrospektive – Die Orte der Zeit
DESCRIPTION:Die Orte der Zeit \nHans Scheugl\, Jahrgang 1940\, ist ein Pionier eines in Österreich stark entwickelten experimentellen Kinos\, das 1968 in der Austria Filmmakers Cooperative einen wirkungsvollen Zusammenschluss erfuhr. Er zählt zu den zentralen Chronisten seiner Zeit. Ohne seine Bücher Erweitertes Kino. Die Wiener Filme der 60er Jahre (2002) oder das vergriffene Standardwerk: Eine Subgeschichte des Films. Lexikon des Avantgarde-\, Experimental- und Undergroundfilms (1974\, zusammen mit Ernst Schmidt jr.) würde ein wichtiger Teil der Filmgeschichte schlichtweg nicht vorliegen. (Dietmar Schwärzler) \n»Im September 1969 findet im Fernsehen eine Publikumsbeschimpfung statt: In der ORF-Reihe APROPOS FILM setzt sich ein junger Künstler als antibürgerliche Kraft in Szene. Aus dem sprichwörtlichen Underground\, aus einer tiefen Baugrube unterhalb des Wiener Rathauses\, beginnt er\, während er spricht\, die Kamera mit Schutt und Steinen zu bewerfen. Die Wut treibt ihn an\, die Entgeisterung über das provinzielle\, kunstfeindliche Österreich und seine ›faschistoid-reaktionären Kulturfunktionäre‹. Der Furor kommt der Avantgarde zugute.« (Stefan Grissemann\, 2015) \nMein erster Film heißt MILIZ IN DER FRÜH. Die Miliz\, die Menschen sucht und abholt\, trug 20 Jahre nach Kriegsende keine Uniform\, sondern tarnte sich mit Biederkeit und lebte fast unerkannt im Inneren der Gesellschaft. Diese Ambivalenz zeigt sich in meinem Film: Täter spielen Opfer\, gar nicht so leicht\, sich auszukennen. Heute tragen Milizen wieder Uniform (oder Springerstiefel) und haben Namen wie ICE und stehen nicht nur in der Früh vor der Tür\, womit die Sache klar ist. So deutlich erkennbar war mein Film noch nie. (Hans Scheugl\, 2026) \nEine Kooperation zwischen Filmarchiv Austria und sixpackfilm \n26.03.2026 | 28.03.2026 | 29.03.2026 | 03.04.2026\nWas die Nacht spricht – Eine Erzählung \nHans Scheugl\, 1986/2025\, 60 min \n»Zwei Frauen\, die miteinander in einer Kunstsprache sprechen\, Arbeiter im Wirtshaus\, die im Dialekt reden\, Patienten des Psychiatrischen Krankenhauses\, die improvisierend sich selbst zur Sprache bringen – alle diese divergierenden Darstellungen kommunizieren\, nicht indem sie handelnd ineinandergreifen\, sondern indem sie sich berühren. Alle Handlungsstränge münden in der Nacht\, wobei Nacht weniger eine Sache der Tageszeit als eine des geistigen Zustandes ist. Ebenso wie die Nacht alles isoliert und in seiner Vereinzelung verschärft hervorhebt\, deckt sie auch alles gleichermaßen zu\, verbindet sie. Die Umnachtung zeigt\, was sie verbirgt.« (Hans Scheugl\, 1985) \nDo 26.3.: In Anwesenheit von Hans Scheugl\n———————————– \n27.03.2026\nKurzfilme \nMiliz in der Früh || Hans Scheugl  || AT 1966\, 17 min\nWien 17\, Schumanngasse || Hans Scheugl || AT 1967\, 3 min (silent)\nHernals || Hans Scheugl || AT 1967\, 11 min\nSafety Film || Hans Scheugl || AT 1968\, 6 min\nzzz: hamburg special || Hans Scheugl || AT 1968\, Expanded Cinema\, ca. 3 min\nEroticon sublim || Hans Scheugl || AT 1968\, 3 min (silent)\nSugar Daddies || Hans Scheugl || AT 1968\, 13 min (silent)\nThe creation of man || Hans Scheugl || AT 1969\, 3 min (silent)\nApropos Film\, Folge 4/1969 [Ausschnitt]\, 3 min \nDie 1960er-Jahre sind eine Ära des Aufbruchs\, der sich 1968 in voller Radikalität auch im Experimentalfilm zeigt\, v. a. in Scheugls Film-Aktionen\, zentrale Beispiele des Expanded Cinema. ZZZ: HAMBURG SPECIAL (1968) gehört zu den radikalsten und auch minimalistischsten Arbeiten dieser Gattung: ein Ready-made\, eine gekaufte Zwirnsspule\, die der Käufer durch den Filmprojektor laufen lässt\, auf dass sie auf der Leinwand in Bewegung versetzt wird. Konzeptuell genauso ausgefuchst die Fahrt durch die SCHUMANNGASSE von Anfang bis Ende\, die nicht länger dauern darf\, als die 16-mm-Rolle in\nder Kamera es zulässt. (ds) \n»Um die Durchleuchtung der komplexen Verhältnisse von Real- und Filmzeit geht es Scheugl. Während er in WIEN 17\, SCHUMANNGASSE scheinbar kunstlos die ungeschnittene Vorwärtsbewegung aufzeichnet\, stellt der hochmusikalische Montagefilm HERNALS das Kino als synthetische\, gleichsam kubistische Kunst aus\, in der Zeit und Raum verdoppelt\, gedehnt und zerhackt werden.« (Stefan Grissemann\, 2015) \nVon Beginn an dringen in Scheugls Filmarbeit Elemente des Genrekinos bzw. filmhistorische Referenzen durch: bei MILIZ IN DER FRÜH die Nouvelle Vague\, bei HERNALS der Gangsterfilm\, bei SAFETY FILM der Western; in THE CREATION OF MAN das Drama von Jekyll and Hyde\, SUGAR DADDIES ist Laurel und Hardy gewidmet. Zuletzt ein Coup im ORF: Scheugls Manifest gegen das kunstfeindliche Österreich. (ds) \nIn Anwesenheit von Hans Scheugl\n———————————— \n30.03.2026 | 02.04.2026\nDer Ort der Zeit || Keine Donau – Kurt Kren und seine Filme \nDer Ort der Zeit || Hans Scheugl || AT 1985\, 39 min\nKeine Donau – Kurt Kren und seine Filme || Hans Scheugl || AT 1988\, 55 min \n»Ausgehend von einer Metapher aus James Joyces Finnegans Wake – ein Toter erwacht zum Leben – bewegt sich Scheugls Film vom Leichenschauhaus ins Freie\, an Wäldern und Hauswänden vorbei\, an Menschen und Telefonzellen\, unter Autobahnbrücken – auf einer verschlungenen Spur\, aber ohne Sprünge. Eine Bild (eine starre Einstellung) ergibt das andere\, in jedem Ausschnitt finden sich Elemente des vorhergehenden: Scheugl hat diese Vorgangsweise eine ›Topographie der Zeit‹ genannt. Den realzeitlichen Rahmen von 24 Stunden kondensiert der Film auf 40 Minuten.« (Alexander Horwath\, 1985) \nKEINE DONAU ist ein freundschaftliches Portrait Kurt Krens\, Pionier des österreichischen Avantgardefilms. Scheugl besuchte ihn in den USA\, wo er in Houston als Museumswärter seinen Lebensunterhalt verdiente. (ds) \nMo 30.3.: In Anwesenheit von Hans Scheugl\n————————————— \n 31.03.2026 | 07.04.2026\nRutt Deen || (Calcutta) GO \n Rutt Deen || AT 1993 || 60 min\n(Calcutta) GO || Hans Scheugl || AT 1993\, 9 min \nZwei Hotels\, das eine heißt Bellevue\, das andere Rutt Deen\, das eine steht in Wien\, das andere in Kalkutta (heute: Kolkata). Rutt Deen ist die englische Schreibweise der Hindi-Worte Rat Din\, die Nacht Tag bedeuten. »Der Sprung zwischen den Kontinenten ist so ge­ waltig wie der zwischen Traum und Wachen\, zwischen Nacht und Tag\, und doch gehört zu den ständigen wiederkehrenden Bildern der Erinnerung eine Wirklichkeit. Indien: das ist Hyperrealität\, gemessen am Komfort der uns vertrauten Welt. Die Figur des Fotografen dient Scheugl als Schnittstelle\, an der die beiden Welten sich brechen – Wien und Kalkutta – und die ihn in beiden zum Fremden machen.« (Peter Tscherkassky\, 1993). \nDer Titel (CALCUTTA) GO verrät den Sog der Bewegung. (ds) \nDi 31.3.: In Anwesenheit von Hans Scheugl\n————————————— \n01.04.2026 | 06.042026\nDear John || Prince of Peace || Homeless New York 1990 \nDear John || Hans Scheugl || AT 2015\, 42 min\nPrince of Peace || Hans Scheugl || AT 1993\, 8 min\nHomeless New York 1990 || Hans Scheugl || AT 1990/2013\, 18 min \nIn DEAR JOHN blickt Scheugl auf seine Zeit als junger Mann Mitte der 1960er-Jahre zurück. Damals lernte er in Griechenland einen Amerikaner kennen\, der ihn danach in Wien besuchte und ihm aus den USA sehnsuchtsvolle Briefe schrieb\, bis ihn die Army für Vietnam rekrutierte.\n»Der ganze Film ist als Zwiegespräch über Kontinente und Jahrzehnte hinweg angelegt\, einzelne Sätze oder Absätze aus Johns mit der Schreibmaschine getippten Briefen\, die über die Bilder gelegt sind\, wechseln mit Hans’ aus der Distanz des Heute gesprochenen Reflexionen über ihre Freundschaft\, seine brotlose Kunst\, den Zustand der Welt.« (Michael Omasta\, 2015) \nHOMELESS NEW YORK 1990 nimmt die grassierende Armut in den Blick\, die durch Präsident Reagans entfesselten Neo­liberalismus in den 1980er-Jahren sichtbar wurde. PRINCE OF PEACE ist eine formal streng gebaute Miniatur schwulen Begehrens. \nMi 1.4.: In Anwesenheit von Hans Scheugl\nModerationen: Dietmar Schwärzler\, Gerald Weber \n
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