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SUMMARY:Moritz Majce + Sandra Man: Choros
DESCRIPTION:Choros ist der antike Name für die kultische Versammlung auf dem Erdboden. Aus ihm gehen der Reigen und der Chor\, der Tanzplatz und die Choreographie hervor. Er meint zugleich die Körper\, ihre Bewegungen\, ihr Sprechen und Singen und den Platz\, auf dem sie all das tun. In archaischen Zeiten traf sich eine Gruppe an einem heiligen Ort\, unbewohnt und unbewirtschaftet\, tanzte\, sang und sprach und stampfte einen runden Platz in die Erde. Chor und Reigen waren in Bewegung geratene Skulpturen\, noch kein Theater. Um sie herum standen Zuschauer_innen\, weder mitmachend noch unbeteiligt betrachtend. \nFür Moritz Majce und Sandra Man ist der antike Choros Quelle für gegenwärtige Fragen. Sie interessieren sich für die offenen Zonen\, für das\, was sich zwischen Ausstellung und Aufführung\, zwischen Zuschauen und Mitmachen auftut. Im antiken Choros vor Theater\, Protagonisten\, Bühne\, Handlung finden sie Stoff und Elemente für Räume\, in denen sich Körper\, Bewegung\, Bild und Sprache treffen. Mit der Unbekümmertheit der Außensicht – Moritz Majce ist ursprünglich Bildender Künstler\, Sandra Man Autorin – erklären sie dabei Choreographie zur Raumkunst. Dahinter steckt die Arbeit an einem Genre\, in dem die Präsenz von Körpern mit der Projektion von Bild- und Sprachräumen zusammengeht. Der antike Choros ist in Bewegung geratene Skulptur; die Raumchoreographie – so nennen sie ihre Arbeiten –- ist in Bewegung versetzte Installation. \nIn Choros greifen sie Elemente – Boden\, Kreis\, Gruppe – auf und transformieren sie. Der sakrale Grund wird aufgelöst in eine Vielzahl von Böden\, der eine Kreis multipliziert sich in mehrere interferierende\, die Versammlung pulsiert zwischen Kollektiv und Ego. Auf verschiedenen Tanzböden (Wiese\, Trampolin\, Teppich\, Plattform) bilden sich Reigen aus Bildern\, Körpern\, Stimmen. Sie führen vom um sich selber Kreisen zum mit anderen einen Kreis bilden bis zu großen kosmischen Kreisbahnen. \nSechs Performer_innen wandern von einem Boden zum nächsten und aktivieren ihn. Jede Station ist eigenständig und zieht ihre eigenen Kreise\, zugleich strahlen sie aus und der Chor bahnt Wege von einer zur anderen. Die Zuschauer_innen können mitkommen oder bleiben. Man ist – geht\, steht\, sitzt\, liegt – in einer Landschaft\, in der eine Performance wiederkehrend ihre Spuren hinterlässt. Choros steht weder wie eine Aufführung einem Publikum gegenüber\, noch wie eine Ausstellung um es herum. Die Frage\, wie genau in Choros zuschauen und dabei sein\, gehört zur Arbeit dazu. In ihr steckt die Einladung an die Besucher_innen\, den Raum zu erkunden\, Perspektiven zu wechseln\, die Umgebung kennenzulernen. Trotz Gleichzeitigkeit und Parallelität verpasst man nichts. Choros ist ein Gesamtkreislauf\, in dem die Dinge wiederkehren. So ergeben sich zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten unterschiedliche Sichten und Assoziationen. \nChoros handelt von einer Zeit\, in der für unveränderbar gehaltene Zyklen aus ihren Bahnen geraten. Jahreszeiten\, Wetterverhältnisse\, klimatische Grundbedingungen verändern die Erde. Mitten im hochtechnisierten 21. Jahrhundert sehen die Menschen plötzlich wieder Natur\, starren ungläubig auf brennende Wälder\, überflutete Küsten\, verwüstete Landschaften\, als wären sie auf einem fremden Planeten gelandet. Der Erdkreis\, der Boden\, auf dem sie glaubten heimisch zu sein\, rutscht unter ihren Füßen weg. Es entstehen neue unbewohnbare und unbewirtschaftbare Orte. Was werden sie mit ihnen machen? \n
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