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u:japan lectures s03e02 – Anna-Lena von Garnier

21. Oktober, 18:30 - 20:00

| Abstract |

Die japanische Autorin Kirino Natsuo (*1951) erhebt sich in ihrer Literatur bewusst gegen die patriarchalen Machtstrukturen Japans, das sie als „Bubblonia“ bezeichnet, in Anlehnung an die Wirtschaftsblase der 80er Jahre und ihr Platzen im Jahr 1990, was wirtschaftliche Stagnation und sozialen Verfall nach sich zog. Sie ist größtenteils bekannt durch ihre Kriminalgeschichten, die sich dem so genannten „gesellschaftskritischen Krimi“ (shakaiha) zuschreiben lassen. Kirino zeichnet in ihren Werken ein dystopisches Bild Japans, in dem ihre Figuren mit Prekariat, Einsamkeit und der Unmenschlichkeit des kapitalistischen Systems konfrontiert werden.

Obwohl Kirino sich nicht als feministische Autorin versteht, stehen gender-orientierte Thematiken in ihren Werken häufig im Vordergrund und in den Lebensgeschichten ihrer Figuren zeichnet sie unter anderem strukturelle, sexistische Diskriminierung am Arbeitsplatz, Sexualisierung und die Abwertung älterer Frauen in einer männerdominierten Gesellschaft nach. Ihre Herangehensweise ist meist intersektional und zeigt auch Schwierigkeiten anderer marginalisierter Gruppen auf. Die starke Zäsur durch den Zusammenbruch der Wirtschaftsblase 1990 wird in Kirinos Werken besonders deutlich.

Im Vortrag beschäftige ich mich mit ihren Werken „Out“ (1997) und „Grotesque“ (2003), in denen Kirino ihre weiblichen Protagonistinnen in einem patriarchalen System agieren lässt, das keine weibliche Agenda zulässt und Frauen, die von der traditionellen Geschlechterrolle der Hausfrau und Mutter abweichen, bestraft. Weibliche Figuren, die in die männlich dominierte Arbeitswelt vordringen oder sexuelle Selbstbestimmung entwickeln möchten, werden als „Monster“ und „grotesk“ bezeichnet und die Subversion gegen bestehende Geschlechterrollen skandalisiert und abgewertet.

Dies erinnert stark an Julia Kristevas Theorien zum Abjekten. Kristeva definiert das Abjekte als einen Zusammenbruch der symbolischen Ordnung, der durch den Verlust der Unterscheidung zwischen Subjekt und Objekt hervorgerufen wird und sich meist durch Gefühle des Ekels äußert. Die grundlegendste Form von Abjektion stellt dabei Ekel vor Essen oder Verwesung dar, jedoch findet sich Abjektion auch in der Störung bestehender gesellschaftlicher Ordnungen und in diesem Sinne können auch feministische Strömungen und Subversionen gegen bestehende Geschlechterrollen als abjekt gedeutet werden. Im Vortrag soll daher herausgearbeitet werden, inwiefern weibliche Handlungen und Lebensentwürfe innerhalb der patriarchalen Welt Kirinos als subversiv und somit abjekt gelesen werden können.

| Bio |

Anna-Lena von Garnier studierte von 2007 bis 2014 Modernes Japan und Kunstgeschichte an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Während des Studiums absolvierte sie von 2009 bis 2010 ein Auslandsjahr an der Ryûkyû-Universität in Okinawa, Japan. Seit 2016 ist sie Promotionsstudentin und am Institut für Modernes Japan der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. In ihrem Dissertationsvorhaben beschäftigt sie sich mit der Inszenierung weiblicher Körper in der Literatur moderner japanischer Autorinnen am Beispiel von Kôno Taeko, Kirino Natsuo und Kanehara Hitomi.

Veranstaltungsort

Seminarraum JAP 1, Institut für Ostasienwissenschaften – Japanologie
Spitalgasse 2
Wien, Wien 1090 Österreich
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